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Was sollten Robo-Advisor anders machen?

© Joachim Loening

Erfolgreiche Geldanlage verursacht wenig Kosten, macht daher wenige Trades (4-12 p.a.) zur Anpassung der initial intendierten Assetklassenverteilung und ist innerhalb der investierten Assetklassen gut diversifiziert. Letzteres ist mit kostengünstigen ETFs gut zu erreichen und das Monitoring der Assetklassenverteilung ist kein Hexenwerk.

Langweilige Portfolien sind gute Portfolien

Leider ist das langweilig. Das findet sich wieder in der häufig zu lesenden Ermahnung, das Investment liegen zu lassen und den Verlockungen des Market timings nicht zu erliegen. Gerne angeführt wird hierzu der Ratschlag des freundlichen Herrn Kostolany („Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“), der sich an mündige Anleger richtete, die man heute als self-service affin bezeichnen würde und die wohl einem Robo-Advisor Kunden recht ähnlich sind. Die Aufforderung an den Kunden lautet: Langeweile aushalten.

Langweilige Produkte und Services sind für jeden Anbieter problematisch und auch für einen modernen Robo-Advisor, der ein self service offering anbieten möchte, ist dieser Mehrwert von Langeweile schwer zu vermitteln. Also bietet der moderne Robo-Advisor einen Service, der für ca. 1% auf das angelegte Geld eine Re-Allokation zur Einhaltung bestimmter Assetklassen-verteilungen sicherstellt. Im Sinne von Herrn Kostolany wird damit Langeweile auf Dauer sicher gestellt und das macht es nicht prickelnder.

Langeweile ist also laut Kostolany der richtige Weg. Es steht zu befürchten, dass auch in Zeiten von Robo, in denen alles supereffektiv und digital ist, mit einem langweiligen Angebot kein Geschäft zu machen ist. Wenn Geldanlage an sich langweilig ist, und das der Grund ist, warum das Robo-Advisor Angebot langweilig ist, dann gewinnt ja vielleicht der Robo-Advisor wenigstens im Vergleich mit den bisherigen Angeboten.

Die Konkurrenz zum Robo-Advisor sind Human-Advisor bei Universalbanken. Die These ist: Robos sind besser als Humans. Etablierte Universalbanken seien verkrustet, verfügen über langweilige Filialen, die keiner mehr braucht und digital ist besser als „old school“, denn Robos sind allzeit bereit sind, ihre Algorithmen in immer gleicher Qualität auszuspielen. Der zweifellos durch einen Berater verfügbare personal touch am point of sale, wird als provisionsgetrieben disqualifiziert.

Market timing ist verlockend, aber schlecht

Schauen wir ein wenig genauer auf die Absicht von Herrn Kostolany. Das Geld liegen zu lassen  stellt die Aufforderung dar, auf die Verlockungen des spannenden, aber irgendwie bösen Market Timings zu verzichten. Verlockend und für jeden Investor spannend ist die Idee, ein relevantes Thema früh genug zu kennen, um dann den Informationsvorsprung mit einem Wertpapierkauf gewinnbringend zu nutzen. Böse ist das Market timing weil es Investoren in der Regel zu spät mitkriegen, wann es zu kaufen gilt, damit einen zu hohen Preis zahlen und Geld verlieren (oder aber zu früh verkaufen und Geld verlieren). Also sagt Kostolany sinngemäß: Kaufe und nimm den vielleicht zu hohen Einstiegspreis hin, aber dann lass es lange liegen.

Ein mögliches Investmentthema im Zeitverlauf seiner Entwicklung zu erkennen ist innerhalb wie außerhalb der Bank ganz zentral fürs Investieren. Da man es vorher nie genau weiß, werden Investitionsentscheidungen immer unter Unsicherheit getroffen.

Außerhalb der Bank ist die Einschätzung von Relevanz die zentrale Leistung des medialen Produktionsprozesses. Die Berichterstattung versorgt uns mit glaubwürdigen Darlegungen zum Geschehen. Innerhalb der Bank wird durch das makroökonomische Research derselbe Nachrichtenstrom gefiltert, verifziert oder modifiziert. Das heisst die Bank hat genau das Wissen zur Verfügung, das vom Kunden als spannend wahrgenommen wird.

Als Self Directed Customer müssen wir selbst danach suchen, welche spannenden Themen für unsere Gelanlage relevant sind. Das ist zeitraubend und schwierig und erzeugt eine Unsicherheit, ob das Timing stimmt. Eine Lösung, die eine Aussteuerung solcher Themen vornimmt, die für den Kunden investmentrelevant sind, weil sie mit seinen vorhandenen Investments oder aber seinen Interessen etwas zu tun haben, wäre für einen modernen Robo-Advisor perfekt geeignet. Allein, solche Robo Advisor sind am Markt nicht zu sehen. Üblicherweise werden mit einer Art Schrotschussmethode breit gestreute Märkte mittels ETFs investiert, getreu unserer obigen Ableitung von Kostolany: Langweilig ist gut.

Daher zurück zur Bank und zum Filialbankmitarbeiter, der einen persönlichen touch vermittelt: Worin besteht dieser? Er besteht darin, dem Kunden eine Reflektion zu bieten, die ihm hilft zu entscheiden, ob ein Investment-Thema genug Relevanz hat. Die Fragen an den Bankberater haben eine ganz menschliche Anmutung. Was halten Sie von der Aktie Adidas? Wie kann ich in das Thema „neue Medikamente“ investieren? Was soll ich mit der LV machen, die nächsten Monat ausgezahlt wird?

Der Berater als Übersetzer

Der Berater wird zu einem Übersetzer zwischen den Verhältnissen des Kunden, deren historischer Entwicklung, der aktuellen Marktwahnehmung des Kunden, seinen Ideen und Vorstellungen und dem Angebot der Bank. Dazwischen liegt keine Geheimwissenschaft, sondern ein Strom medialen Rauschens der beide, Berater und Kunde umgibt. Das ist für beide, Kunde und Berater eine gemeinsame Gesprächsbasis und im Gespräch sind Kunde und Berater darin verankert.

Dabei ist es unerheblich, ob der Kunde die resultierende Transaktion über einen als self directed klassifizierten Prozess oder als Ergebnis einer Beratung vollzieht. Entscheidend ist die Einbettung des Kunden in eine inhaltlich geprägte Interaktion mit einem Berater, der am Ende den Zugang zu den passenden Produkten der Bank vermittelt.

Robo-Advisor sollten wohl am besten menschenähnlich agieren um das tun, was gute Berater machen: Themen, die den Kunden beschäftigen einordnen und ihnen eine handlungsrelevante Signifikanz geben.

Langweilig und kostengünstig bringt die Sicherheit. Signifikante, maschinell überwachte Themen die Gelegenheiten.

Foto: Dustin Yellin, Glasstress 2017, eigene Aufnahme