Banking, Blog, Digitization

Geld und Welt: Über die Digitalisierung mehrdimensionaler Kundenprofile

© Joachim Löning

Digitalisierung ist ein schillernder Begriff weil damit das Versprechen verbunden ist, die Welt werde neu und irgendwie ganz anders. Digitalisierung ist auch schwer zu definieren, vor allem, wenn man es mit analogen Mitteln versucht. Die meisten Definitionen holen den Leser erstmal ab und erläutern die analoge Vergangenheit zukünftig dann digitaler Funktionszusammenhänge. Meist ist bei ersten digitalen Versionen von Funktionalität noch immer gut zu erkennen, dass es analoge Vorbilder gibt.

Im Unterschied zu einfachen 1:1 Übersetzungen von analog nach digital versuchen wir Interaktion am Bildschirm mit zusätzlichen Handlungsdimensionen auszustatten. Wenn es gelingt, eine Dimension mehr als bei einer analogen Version schlüssig unterzubringen, wird der Mehrwert der Digitalisierung greifbar und die Chance auf beeindruckte Kunden steigt.

Unser Handlungsschwerpunkt liegt im Finanzbereich und speziell beim Thema Geldanlage. Dort ist Digitalisierung eine besondere Herausforderung weil es keine einheitlich verwendete Ontologie mit identischen Kategoriensystemen gibt. D.h. jede Bank hat ihre eigene Sicht auf die Welt und die verwendeten Entitäten sind nur schwer vergleichbar. Das führt bspw. dazu, dass der Begriff der Asset Allocation bei verschiedenen Anbietern ganz unterschiedlich besetzt ist. Unterschiedliche Begriffswelten schaffen ein Problem, das mit einem Seitenblick in die Automobilindustrie umgangen werden soll.

Jeder ist schon Mal mit einem Auto gefahren und jeder kennt die erhebliche Variantenvielfalt des „made to order“ gebauten Produktes. Im Vergleich dazu sind die üblicherweise im Bereich Private Banking angebotenen Musterdepotlösungen weniger individuell.

Konfiguration von Wünschen

Schauen wir uns an, was der Kunde tut, um sein persönlich ausgestattetes Auto zu konfigurieren. Unsere Beispiele beziehen sich auf dem Konfigurator einer Premiummarke. Die Lösungen anderer Hersteller sind vergleichbar sequentiell aufgebaut.

Der Kunde wählt zunächst eine Baureihe aus, danach geht es um die für die gewählten Baureihe mögliche zusätzliche Kategorien. Diese sind in unserem Beispiel die Auswahl von Motoren, Exterieur, Interieur, Pakete&Editionen, Sonderausstattungen und schliesslich um Leasing&Finanzierung. Der Preis der jeweils getroffenen Auswahl wird angezeigt und zu den vorherigen Features addiert.

Die jeweils innerhalb einer Kategorie getroffene Auswahl bleibt verborgen, damit ich meine nächste Wahl treffen kann. Vermutlich ist es der grossen Variantenvielfalt geschuldet, dass die bereits gewählten Features verschwinden. Wenn neue Features gewählt werden sollen, dies aber mein vorhandenes Budget überschreitet, müssen daher zunächst bereits gewählte Varianten abgewählt werden. Das aber ist schwierig, weil diese ja verschwunden sind, d.h. ausgeblendet wurden. Ganz unabhängig davon, dass es Gründe geben mag, die gewählten Features und den Preis NICHT anzuzeigen, könnte es aus Kundensicht wünschenswert sein, eine zeitgleiche Anzeige aller gewählter Präferenzen zu haben.

Das geht mit sog. elastischen Listen, einem digitalen Werkzeug, mit dem in mehrdimensionalen Datenmodellen angezeigt und ausgewählt werden kann, welche Präferenzen ein Kunde hat und was geht und was nicht. Im Unterschied zur bisherigen Konfigurationsmethode für einen neuen Wagen stellt dieses Verfahren dem Kunden neuartige Wahlfreiheiten zur Verfügung und ist vom vorgegebenen Bedienflow des klassischen Konfigurators befreit.

Neue Werkzeuge ermöglichen den Blick auf neue Ansätze

Neue und wesentlich dynamischer funktionierende Werkzeuge wie elastische Listen erlauben eine schnelle und effektive Mehrfachauswahl. Damit wird eine neue Art des Eintauchens in die Produktwelt möglich. Der Kunde sieht sofort ein individuell auf seine Präferenzen und finanziellen Möglichkeiten zugeschnittenes Fahrzeug- und Mobilitätsangebot, das er spielerisch anhand der (Konfigurator-)Listen modifizieren kann. Bleiben wir einen Moment bei den heutigen Konfiguratoren. Am Ende eines Workflows steht ein Finanzierungsangebot. Mit der Dynamik konsequent eingesetzter Werkzeuge der Digitalisierung wird eine Prozessumkehr möglich: Die Leasingrate, die der Kunde „kann“, stünde am Anfang und führt zur Identifikation eines vollständig vorkonfigurierten Fahrzeugs.

Nicht nur die Leasingrate, sondern der ganze Instrumentenkasten moderner Finanzierungslösungen könnte in einem solchen intuitiv bedienbaren Daten-Modell zum Ausgangspunkt einer Konfiguration werden. So wird die Nutzung von per se langweiligen Finanzierungsparametern aufgeladen und in einen sinnvollen Kontext gestellt. Der Preis ist nicht mehr das ernüchternde Ergebnis eines langwierigen Prozesses, sondern Teil einer intellgenten und dynamischen Konfiguration.

Die Zeit für eine neue Perspektive auf den Kunden mit Freude am Auto scheint reif zu sein und das Handling finanzieller Rahmenbedingungen für die Mobilitätsgestaltung bietet viele, noch unentdeckte Ansätze. Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag „Financial Mobility Services“.

Sollten Sie sich für Prototypen der o.g. elastischen Listen interessieren, zögern Sie bitte nicht mit einer unverbindlichen Kontaktaufnahme.